Donnerstag, 21. Januar 2016

Schamanismus

Schamanismus ist als das älteste Heilungsverfahren der Menschheit bekannt, es ist wohl so alt wie die Menschheit selbst.
Im Jahre 1980 wurde dem Schamanismus von der WHO (World Health Organization bzw. Weltgesundheitsorganisation) in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen dieselbe Bedeutung zuerkannt wie der westlichen Medizin.
Das Wort Schamane hat seine Wurzeln vermutlich im Tungusischen/Sibirischen Wort "Šaman" und heißt übersetzt "Jemand, der erregt, bewegt, entrückt ist" oder auch "um sich schlagen", "verrückt" oder "verbrennen". Alle diese Übersetzungen beziehen sich auf die Körperbewegungen und Gebärden, die sibirische Schamanen während der Ekstase ausführen. Überhaupt ist die Ekstase, der Trancezustand, das Reisen in andere Wirklichkeiten wohl das einende und definierende Element schamanistischer Glaubenssysteme überall auf der Welt.
Der reiche Erfahrungsschatz und das Wissen der Schamanen wurden von Generation zu Generation weitergegeben. Diese Erfahrungen besagen, dass ein Schamane im Einklang mit den vier Grundelementen Luft, Feuer, Wasser, und Erde steht. In der Natur bedeutet es, dass er auch mit jedem Tier, jeder Pflanze und jedem Stein verbunden ist.
Der Schamanismus lehrt uns, dass alles Existierende lebt und einen eigenen Geist hat. Für den Schamanen ist diese Ansammlung von Geistern in allen Dingen, ob lebendig oder nicht, ein großes Netz des Lebens. Alles ist miteinander verbunden.
Jeder Schamanenanwärter geht seinen eigenen Weg auf dem er seine ganz persönlichen Erfahrungen sammelt und sich entsprechend auch die passenden Werkzeuge, wie zum Beispiel Trommeln oder Rasseln, für seine Heilarbeit auswählt.
Ein typisches Beispiel für einfache schamanistische Arbeit ist es sich mit den Elementen zu verbinden.
Stell dir vor deinem inneren Auge einen glasklaren See, einen Wasserfall oder einen Fluss vor. Je nachdem was du magst. Konzentriere dich darauf und sammle deine Energie in deiner Mitte. Visualisiere deine Mitte dabei als Kugel aus weißem Licht um über diese zwischen deinem Körper und dem angerufenen Element reisen zu können. Atme ruhig und gleichmäßig. Wenn Du das Gefühl hast bereit zu sein, dann frage das Wasser ob du dich mit ihm verbinden darfst. Sollte es zusagen, dann fahre fort. Wichtig bei dieser Technik ist darauf zu achten, dass du nicht deine komplette Energie aussendest, sonst kannst du vielleicht deinen Weg zu dir selbst zurück nicht mehr finden. Nun begib dich in das Element hinein, werde eins mit ihm.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt um die Geister des Elements zu fragen ob sie dir etwas beibringen können. In manchen Fällen haben sie sogar eine spezielle Aufgabe für dich. Bedanke dich nachdem du dein Wissen oder andere Dinge erhalten hast und gehe über die Lichtkugel in deinen eigenen Körper zurück. Jeder Ratschlag und jede Aufgabe die dir in der Verbindung mit dem Geist zuteil werden sind wertvoll. Man sollte stets nach den Worten der befragten Geister handeln.
Dieses Beispiel wird vielen von uns sowohl vertraut als auch leicht seltsam vorkommen. Man könnte sagen dass Schamanismus die Urform aller magischen Systeme ist, und gleichzeitig etwas ganz eigenes. Die Arbeit mit den Geistern, das Reisen zwischen verschiedenen Wirklichkeiten und Bewusstseinszuständen, die Vermittlerrolle zwischen Mensch und Natur, all das sind wichtige Elemente dieser uralten Kunst.
Aber im Gegensatz zu Mitgliedern von Hexencoven, Magierorden und paganen Glaubensgemeinschaften sind die Mehrzahl der Schamanen Einzelgänger, Suchende, auf der Schwelle Stehende. Ihre Arbeit verrichten sie eher für andere als mit anderen. Oft sind ihre einzigen Verbündeten ihre zahlreichen Schutzgeister. Das hat seine Gründe. Meist sucht man es sich nicht aus Schamane zu werden. Man wird gerufen, oft durch ein lebensveränderndes und bedrohliches Ereignis wie eine schwere Krankheit. Deshalb nennt man den Schamanen auch den verwundeten Heiler. Früher spielte er eine wichtige Rolle in seiner Gemeinschaft, sowohl als Heiler als auch als Berater und Vermittler zu Geistern, Göttern und Ahnen. Heute sind viele Traditionen verstummt und es ist oft schwer mit einer schamanischen Weltsicht Gleichgesinnte zu finden. Manche suchen verzweifelt in fremden Traditionen ohne zu verstehen das Schamanismus immer ein Gewächs des Landes ist, wo er lebt und gedeiht. Dieses Wissen kann uns höchstens als Anregung dienen. Ich persönlich halte es für wenig sinnvoll amerikanische oder sibirische Überlieferungen zu usurpieren, ganz zu schweigen von eher unmoralischen Versuchen mit dem Begriff "Schamanismus" Geld zu machen. Niemand muss 300 Euro für ein "ethnologisches Schwitzhüttenseminar" bezahlen um den Weg des Schamanen zu gehen. Auch magische Pilze, Kräuter und Wurzeln sind keinesfalls notwendig, obwohl sie in vielen Kulturen verwendet wurden. Man sollte vielleicht eher versuchen lange verloren gegangene einheimische Systeme wiederzuentdecken, wird sich dabei aber immer im Bereich des Spekulativen bewegen. Das einzige was man wirklich braucht ist ein offener Geist, ein ehrlicher Wunsch und Zeit. Die wahren Lehrer eines Schamanen finden sich auf anderen Ebenen, unter Geistwesen und Ahnen, und vor allem in der Natur. Mein Dank gilt H. und R. die ihre Gedanken zum Thema mit mir teilten.

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